25.11.2016 Verwaltung, Verbände, Organisationen

DGPPN stellt neuen Teilhabekompass vor

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat auf ihrem Jahreskongress 2016 einen neuen Teilhabekompass vorgestellt. Dieser bietet einen Überblick über zahlreiche Angebote der beruflichen Rehabilitation. Die Fachgesellschaft fordert die Gesundheits- und Sozialpolitik auf, der Bedeutung psychischer Erkrankungen stärker Rechnung zu tragen.

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben laut DGPPN Schwierigkeiten, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. In Deutschland seien insbesondere Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Dabei würde sich eine regelmäßige Berufstätigkeit positiv auf den Krankheitsverlauf und die Lebenszufriedenheit auswirken. Über 27 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind innerhalb eines Jahres von psychischen Erkrankungen betroffen.

"Wir haben festgestellt, dass die Angebote zur beruflichen Rehabilitation nicht ausreichend bei den Betroffenen ankommen. Das System ist ausgesprochen kompliziert und unübersichtlich. Es basiert auf unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern und ist stark zergliedert. Vor allem an der Schnittstelle zwischen Akutbehandlung und Rehabilitation fehlen einfach umsetzbare Möglichkeiten zur Steuerung. Die Folgen: zu wenig Effektivität bei der Wiedereingliederung in die soziale Gemeinschaft", so Dr. Iris Hauth, Präsidentin der DGPPN.

Der neue Teilhabekompass der DGPPN richtet sich an alle Ärzte und Therapeuten, die erwachsene Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen behandeln. Er bietet einen Überblick über regelfinanzierte Leistungsanbieter und Maßnahmen nach dem Sozialgesetzbuch Neuntes Buch. Praktische Fallbeispiele erleichtern die Orientierung.

Hauth erläuterte, dass der Teilhabekompass ein wichtiger Schritt sei. Es würden jedoch Strukturen benötigt, damit Versorgung und Rehabilitation besser ineinandergreifen und die verschiedenen Berufsgruppen und Sektoren Hand in Hand arbeiten können. Menschen mit psychischen Erkrankungen bräuchten einen niederschwelligen Zugang zur Versorgung, damit ihre Beschwerden rasch behandelt und nicht chronisch werden. Hier sei die Politik gefordert, welche die psychische Gesundheit zu einem übergreifenden Schwerpunktthema machen müsse.

Der Teilhabekompass steht als Broschüre zur Verfügung, zusätzlich wurde auf www.teilhabekompass.de ein neues Internetportal aufgebaut.

Neue Ansätze in der Versorgung und Teilhabe von psychisch erkrankten Menschen stehen im Fokus des DGPPN Kongresses 2016 vom 23. bis 26. November 2016 in Berlin, zu dem über 9000 Ärzte, Wissenschaftler und Therapeuten erwartet werden.

Pressemitteilung der DGPPN vom 23.11.2016 mit Statements von Dr. Iris Hauth, Prof. Dr. Arno Deister, Gudrun Schliebener, Prof. Dr. Katarina Stengler

(Quelle: DGPPN)


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