09.12.2015 Verwaltung, Verbände, Organisationen

LIGA Selbstvertretung fordert konsequente Partizipation bei der Weiterentwicklung der Behindertenpolitik

Anfang Dezember 2015 haben sich elf bundesweit aktive Selbstvertretungs-Organisationen behinderter Menschen in Berlin zur "LIGA Selbstvertretung – Die Politische Interessenvertretung der Selbstvertretungs-Organisationen behinderter Menschen in Deutschland (DPO Deutschland)" zusammengeschlossen. Die Abkürzung DPO bezieht sich auf den international bekannten Begriff der "Disabled Persons Organizations" und auf das unbedingte Prinzip der Selbstvertretung.

Während Selbstvertretungsorganisationen in der internationalen Diskussion einen besonderen Stellenwert besäßen, dominierten hierzulande die gewachsenen Strukturen der Wohlfahrt und der medizinisch ausgerichteten gesundheitlichen Selbsthilfe das Thema Behinderung, heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite der LIGA Selbstvertretung. Dem will man das menschenrechtliche Modell von Behinderung entgegensetzen und so ein Gegengewicht zur traditionellen Behindertenhilfe bilden. Die Verbände, die in der LIGA Selbstvertretung zusammenarbeiten, fühlen sich ausschließlich den Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen verpflichtet.

Zu den Kriterien für eine Mitgliedschaft in der LIGA Selbstvertretung zählen daher Kriterien wie:

  • mindestens 75 Prozent der Mitglieder der Organisation sind behindert;
  • der gesamte Vorstand der Organisation besteht aus behinderten Personen;
  • die Geschäftsführung der Organisation wird durch eine behinderte Person wahrgenommen;
  • mindestens 50 Prozent der Leitungsebene sind behinderte Personen;
  • bei Vertretungsanlässen nach außen sollten behinderte Personen die Organisation repräsentieren.

Das neu gegründete Aktionsbündnis fordert, dass behinderte Menschen und ihre Organisationen im Mittelpunkt der Weiterentwicklung der Behindertenpolitik stehen müssen, ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

"Wenn die Unterstützung behinderter Menschen zukünftig personenzentriert erfolgen soll und der Slogan ‚Nichts über uns ohne uns!‘ ernst genommen wird, dann müssen diejenigen, um die es hauptsächlich geht, auch gleichberechtigt und konsequent an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Die Förderung der Selbstvertretung und Partizipation behinderter Menschen wurde Deutschland beispielsweise in Artikel 4 der UN-Behindertenrechtskonvention und in den Abschließenden Bemerkungen des UN-Fachausschusses zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ins Stammbuch geschrieben. Mit dem neuen Zusammenschluss von Selbstvertretungsorganisationen treten wir dafür ein, dass Leistungen und gesetzliche Regelungen im Sinne behinderter Menschen gestaltet werden und nicht von anderen Interessen dominiert werden", betonte Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), die als eine der drei SprecherInnen der LIGA Selbstvertretung gewählt wurde.

Neben Arnade wurden als weitere Sprecher Ottmar Miles-Paul für NETZWERK ARTIKEL 3 und Helmut Vogel für den Deutschen Gehörlosen-Bund gewählt.

Zur Webseite der LIGA Selbstvertretung: www.liga-selbstvertretung.de

(Quellen: Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V., LIGA Selbstvertretung, kobinet-Nachrichten)

 

 


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