10.03.2021 Verwaltung, Verbände, Organisationen

Studie zeigt: Frauen mit Behinderung sind auf dem Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt

Eine aktuelle repräsentative Studie des Sinus-Instituts, beauftragt von der Aktion Mensch, zeigt, dass Frauen mit Schwerbehinderung auf dem Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt sind: Als Frau und als Mensch mit Behinderung. Aktion Mensch fordert deshalb einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel im Sinne einer gerechten Teilhabe am Arbeitsleben sowie ein Bekenntnis zu Inklusion und Gendergerechtigkeit.

Die Studie umfasst die Befragung von rund 2.000 Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 64 Jahren mit elf leitfadengestützten Tiefeninterviews. Ihre Ergebnisse wurden anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2021 veröffentlicht. Die Studie zeigt: Frauen mit Schwerbehinderung sind auf dem Arbeitsmarkt von doppelter Diskriminierung betroffen: Sie bilden das Schlusslicht bei Lohn sowie Vollzeit- und Führungspositionen und sind durch Haushalts- und Familienaufgaben besonders belastet. Grundlage der Studie ist ein erstmaliger systematischer Vergleich der Erwerbssituation von Frauen mit und ohne Schwerbehinderung sowie den entsprechenden männlichen Bevölkerungsgruppen.

Die Studie bestätigt, dass Gender und Behinderung einen wesentlichen Einfluss auf die Chancen am Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch, erklärt: „Für viele Frauen mit Behinderung äußert sich die derzeitige Situation als ein Kampf um das berufliche Überleben – um sich im Arbeitsleben zu behaupten, müssen sie einer gleich zweifachen strukturellen Benachteiligung entgegentreten“.

Großes Lohngefälle und wenig Aufstiegsmöglichkeiten

Der Studie zufolge erhalten Frauen mit Behinderung für ihre berufliche Tätigkeit im Gruppenvergleich die niedrigste Entlohnung – auch in der Einkommenskategorie unter 1.000 Euro netto sind sie mit fast einem Drittel am häufigsten vertreten. Dabei zeigt sich auch unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Behinderung ein eindeutiges geschlechtsspezifisches Lohngefälle: Im Durchschnitt verdienen weibliche Erwerbstätige mit Behinderung 667 Euro netto weniger pro Monat als ihre männlichen Pendants.

Zudem fühlen sich Frauen mit Behinderung so sehr wie keine andere Gruppe von Aufstieg, Führung und freier beruflicher Gestaltung ausgeschlossen. Gerade einmal jede Zehnte – der niedrigste Wert im Gruppenvergleich – arbeitet in einer leitenden Position. Und das, obwohl sie stärker motiviert sind, in ihrer Karriere voranzukommen, als Männer mit Behinderung und ähnlich stark wie Frauen und Männer ohne Behinderung.

Frauen überwiegen bei Teilzeit- und Care-Arbeit

Im Vergleich zu Männern arbeiten Frauen gemäß der Studie deutlich häufiger in Teilzeit. Dies gilt besonders für Frauen mit Behinderung: 37 Prozent haben eine Teilzeitstelle – die höchste Zahl unter allen befragten Gruppen. Auch sind die weiblichen Erwerbstätigen mit Behinderung in Partnerschaften stärker durch Haushalts- und Familienaufgaben belastet als ihr männliches Äquivalent. Rund ein Drittel der befragten Frauen ist mit der Aufgabenteilung nicht zufrieden und beklagt mangelnde Unterstützung.

Benachteiligung beim Berufseinstieg und Angst vor Arbeitsplatzverlust

In Bewerbungsprozessen hat sich etwa die Hälfte aller Frauen mit Behinderung in der Vergangenheit bereits diskriminiert gefühlt und glaubt, aufgrund ihrer Behinderung auch seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden. Die Mehrheit der Erwerbstätigen mit Behinderung beklagt eine hohe persönliche Stressbelastung. Dies entsteht durch den zunehmenden Konkurrenz- und Leistungsdruck und die Angst vor Arbeitsplatzverlust.

Weitere Informationen

Situation von Frauen mit Schwerbehinderung am Arbeitsmarkt - Studie zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Teilhabe am Erwerbsleben
(Hrsg. Aktion Mensch e. V.)

(Quelle: Aktion Mensch e. V.)

 


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