12.03.2018 Daten, Fakten, Statistiken

Studie zu Assistiven Technologien für Menschen mit Behinderungen

Vorlesesoftware macht Texte für Blinde hörbar, Apps bieten Lernmöglichkeiten für Menschen mit Autismus, und Videotelefonie ermöglicht Telefonate in Gebärdensprache. Wie technische Entwicklungen mehr Menschen zur selbstbestimmten Teilhabe verhelfen können, ist Thema der Studie „Assistive Technologien für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Gesellschaft, Bildung und Arbeitsmarkt“ unter Federführung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Ein Ergebnis: Die Technik zur Inklusion in die Arbeitswelt ist da – aber oft fehlen noch Informationen über die Einsatzmöglichkeiten.

Die meisten Menschen mit Behinderungen stehen bewährten und neuen Technologien, die ihnen ein selbstständigeres Leben ermöglichen, positiv und offen gegenüber, zeigt die Studie. „Die Technik alleine ist aber nicht alles, es ist wichtig, gesellschaftliche und politische Optionen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet sind“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin Maria João Ferreira Maia vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT. Das Institut hat die Bedeutung Assistiver Technologien (AT) für die Inklusion von Blinden und Sehbehinderten, Gehörlosen und Hörbehinderten sowie Menschen mit Autismus im Auftrag des Wissenschaftsausschusses STOA (Science and Technology Options Assessment) des Europäischen Parlaments untersucht.

Informations- und Beratungsbedarf bei Unternehmen, Ärzten und Nutzern

Das Institut bezeichnet die Inklusion in die Arbeitswelt als wichtigen Gradmesser für die selbstbestimmte gesellschaftliche Teilhabe. Assistive Technologien können Menschen mit Behinderungen den Zugang zur Erwerbstätigkeit auf vielfältige Weise ermöglichen. Die Technik sei da, aber noch fehle in vielen Unternehmen die Information über ihre Einsatzmöglichkeit, so Dr. Linda Nierling, Sozialwissenschaftlerin und Koordinatorin des Forschungsprojekts am ITAS. Das mangelnde Wissen könne dazu führen, dass ein Betrieb die Einstellung eines Menschen mit Behinderung gar nicht erst in Betracht ziehe.

Grundsätzlich stellt die Studie fest, dass eine umfassende Änderung der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen Voraussetzung für eine barrierefreie, inklusive Gesellschaft ist. Informations- und Beratungsbedarf sieht die Untersuchung auch bei Medizinern und den Nutzern selbst. Sie empfiehlt, dass speziell ausgebildete AT-Fachleute Ärzte und Menschen mit Behinderungen beraten, um angesichts der Vielfalt technischer Assistenzen die individuell hilfreichste zu wählen.

Betont wird, dass die vorhandenen Technologien effektiver genutzt werden könnten, indem die Bedienbarkeit aller Verbraucherendgeräte vereinfacht wird, wie es der Entwurf einer europäischen Richtlinie für barrierefreie Produkte und Dienstleistungen – der European Accessibility Act – vorsehe.

Jeweils vorbildliche Beispiele staatlicher Regulierungen für die Förderung der Integration mit Hilfe von AT hat die Studie in Schweden, Ungarn, Portugal und Deutschland – repräsentativ für die Länder der EU – betrachtet. In vier Zukunftsszenarien zeigt die Untersuchung, wie sich durch unterschiedlich ausgestaltete politische Rahmenbedingungen die Gesellschaft mehr oder weniger barrierefrei entwickeln kann.

Über die Studie

Im Mittelpunkt des mit 140.000 Euro durch das Europäische Parlament geförderten Beratungs- und Forschungsprojektes stand die Frage, wie technische Hilfsmittel dazu beitragen können, mehr Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft, ins Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt einzubeziehen. Interviews mit Personen, die in Behindertenorganisationen aktiv sind oder selbst Behinderungen haben, waren ebenso Teil der Studie wie Online-Umfragen und der Austausch mit Betroffenen und fachkundigen Experten in einem Workshop.

Weitere Informationen: https://www.itas.kit.edu/projekte_nier16_asstech.php 

Video „Assistive Technologies“: https://youtu.be/omjVM1lwkII 

(Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT))


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