10.01.2024 Verwaltung, Verbände, Organisationen

Projekt „Teilhabe 4.0“ unterstützt digitale Barrierefreiheit in der Arbeitswelt

Was können sogenannte „Overlay-Tools“? Wie gut eignen sich KI-gestützte Assistenztechnologien für Menschen mit Behinderungen? Was ist beim Einsatz von Übersetzungssoftware in Leichte Sprache zu beachten? – Vor dem Hintergrund der rasant zunehmenden Digitalisierung in der Arbeitswelt sollen die Ergebnisse des Projekts „Teilhabe 4.0“ einen Überblick über die Vielfalt der Tools zur Gestaltung einer barrierefreien Arbeitswelt bieten, ihr Können hinterfragen und die Auswahl sinnvoller Hilfen erleichtern.

Zum einen bedroht die Digitalisierung in einigen Bereichen den Erhalt von Arbeitsplätzen, zum anderen kann ihr Einsatz auch Möglichkeiten eröffnen bzw. bereits bestehende digitale Angebote verbessern. Wenn Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben von digitalen Unterstützungssystemen profitieren, ist das von Vorteil für die Unternehmen, die sie beschäftigen. Eine intelligente Datenbrille etwa, die Informationen ins Sichtfeld des Nutzenden einblendet, kann Arbeitsabläufe unterstützen. Andere Anwendungen, sogenannte „Tools“, versprechen die Barrierefreiheit von Webseiten für sehbeeinträchtigte Nutzende zu verbessern oder Texte in Leichte Sprache zu übersetzen. Im Projekt „Teilhabe 4.0: Digitalisierung der Arbeitswelt barrierefrei gestalten“ wurde untersucht, welche Tools es derzeit gibt und wo sie sinnvoll einsetzbar sind – oder auch nicht. Angereichert mit Hintergrundinfos und guten Beispielen ist daraus eine Online-„Toolbox“ entstanden, die bis zum Ende der Projektlaufzeit 2024 weiterentwickelt wird. Der integrierte „Tool-Finder“ liefert für ausgewählte Zielgruppen passende Ergebnisse, darunter beispielsweise Informationen zu Assistenztechnologien, Leichter Sprache, rechtlichen Grundlagen, Videokonferenzsoftware oder zu Overlay-Tools für Webangebote.

Tools sinnvoll nutzen

Als kostenpflichtige Anwendung sorgen diese zum Beispiel für eine größere Schrift oder bessere Kontraste einer Website. „Wir möchten hier nun zeigen, dass die meisten Anpassungen, die ein Overlay-Tool kostenpflichtig für den Webseiten-Anbieter durchführen kann, in den meisten Browsern seit Jahren von Haus aus kostenfrei für alle eingebaut sind“, heißt es dazu auf der Projektseite Teilhabe 4.0. Am Beispiel des Firefox-Browsers erfahren User, wie sie über einfache Tastenkombinationen und Einstellungen ganz ohne zusätzliche Tools viele hilfreiche Funktionen individuell konfigurieren können.

Das Fazit des Projekt-Teams: Entweder sei eine Seite barrierefrei, dann könnten auch alle Nutzerinnen und Nutzer diese mit ihren eigenen Hilfsmitteln und eigenen Einstellungen gut nutzen, oder sie sei nicht barrierefrei, dann würden durch den Einsatz eines Overlay-Tools auch keine Barrieren beseitigt. Stattdessen könnten hiermit durchaus neue Barrieren geschaffen werden.

Darüber hinaus wendet sich das Angebot an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit, aus Management, Beschaffung und Entwicklung mit Checklisten, Leitfäden und Informationen, die helfen sollen Texte, Webseiten, Social Media oder Veranstaltungen barrierefreier zu gestalten – von der „Erklärung zur Barrierefreiheit“ bis hin zu Fragen der barrierefreien Nutzung von Emojis. Häufig wird dabei auch auf bereits bestehende Inhalte verwiesen.

Das Kompetenzzentrum Barrierefreiheit Volmarstein (KBV) der Evangelischen Stiftung Volmarstein führt das Projekt zusammen mit der BAG Selbsthilfe und u. a. in Kooperation mit dem Fachgebiet Rehabilitationstechnologie der Technischen Universität Dortmund durch. Ein Beirat mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden begleitet das Projekt.

Gute Beispiele

Eine Empfehlung des Teams gilt dem 2021 durchgeführten Kongress der DVfR „Hilfsmittel sichern Teilhabe – Technik für Inklusion in Alltag und Beruf“. Der Kongress habe den Teilnehmenden Gelegenheit geboten, sich zu dem vielschichtigen Thema Hilfsmittel und Teilhabechancen für Menschen mit Behinderungen auszutauschen. „Insbesondere die in Workshop 5 beschriebenen Hürden am Arbeitsplatz aus Betroffenensicht geben Einblick in die Bedeutung des Einsatzes barrierefreier Software und Apps, um die Möglichkeiten der Hilfsmittel nutzen zu können.“

Auch andere Angebote wie das Projekt „Leidmedien“ oder „Ramp-Up.me“ werden als gute Beispiele vorgestellt. „Ramp-Up.me“ gibt Hilfestellung bei der Planung und Durchführung barrierefreier Events. Im Projekt „Leidmedien.de“ der Sozialhelden bieten Medienschaffende mit und ohne Behinderungen Redaktionen Beratung an. Das Projekt stellt online Leitfäden und Formulierungshilfen für die redaktionelle Arbeit bereit. Ziel ist ein Perspektivwechsel in der Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen.

Zum Projekt Teilhabe 4.0

Zur Dokumentation des DVfR-Kongresses 2021

(Quelle: Evangelische Stiftung Volmarstein)


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