04.08.2026 Daten, Fakten, Statistiken

Aktion-Mensch-Studie: Digitale Teilhabe und Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz bietet vielfältige Chancen für eine bessere digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung – vorausgesetzt, sie ist barrierefrei und inklusiv gestaltet – so lautet das Fazit der Studie „Digitale Teilhabe und Künstliche Intelligenz“, den die Aktion Mensch im Juni 2026 veröffentlicht hat. Erstmals wurden systematisch Nutzung und Wahrnehmung von KI im Kontext digitaler Teilhabe untersucht.

Im Fokus der Studie standen Erfahrungen, Einstellungen und Nutzungsmuster von Menschen mit Beeinträchtigungen. Nach einer Vorstudie mit 663 Teilnehmenden wurden im Dezember 2025 574 Personen mit Beeinträchtigung dazu befragt. Die Teilnehmenden stammen aus der Teilhabe-Community, dem Online-Panel der Aktion Mensch.

Der vorliegende Bericht von Stefan Sandner und Nadja Ullrich zeigt einerseits, dass 73 Prozent der Befragten KI-Anwendungen nutzen, davon 42 Prozent regelmäßig, andererseits aber auch, dass ein Viertel noch nie KI benutzt hat. Dies ist für die Forschenden ein Hinweis darauf, „dass ein relevanter Anteil der Menschen in Deutschland digital nicht teilhat und somit zunehmend von der Gesellschaft ausgeschlossen wird“. Die Nutzungshäufigkeit und -erfahrung nimmt zudem mit zunehmendem Alter der Befragten ab.

Haupteinsatzgebiete für KI sind die Beantwortung von Wissensfragen (73 %), gefolgt von Ratschlägen (48 %) und Kreativtätigkeiten wie Texte und Bilder erstellen (37 %). 34 % setzen KI zur Erleichterung ihrer Kommunikation (Übersetzung, Untertitel, Vorlesefunktion) ein. Zur Nützlichkeit von KI befragt, gab die Hälfte aller Befragten (51 %) an, dass KI ihnen bei Problemen und persönlichen Fragen weiterhilft. 44 Prozent gaben an, mithilfe von KI besser zu lernen und sich weiterzubilden. Dagegen stimmten nur 24 Prozent der Aussage zu („ganz klar ja“ oder „eher ja“), durch KI-Anwendungen von Ämtern schneller zu bekommen, was sie brauchen. 53 Prozent stimmten der Aussage, dass sie ihr Leben durch KI-Anwendungen unabhängiger führen können, nicht zu („ganz klar nein“ oder „eher nein“).

Ein besonderes Augenmerk der Studie liegt auf beste­henden Zugangsbarrieren sowie auf Unsicher­heiten und Vorbehalten gegenüber KI. Deutlich überwiegt die Offenheit der KI-Nutzenden gegenüber dieser Technologie (81 %) gegenüber denjenigen, die KI nicht nutzen (38 %). Der Studienbericht folgert, dass Nicht-Nutzende vielfach nicht beurteilen können, ob KI nützlich sein könnte. Zudem wurden bei diesen Ängste vor der Technik und Sorgen vor Kontrollverlust geäußert. 28 Prozent der Nicht-Nutzenden bemängeln die Barrierefreiheit von KI-Anwendungen. Die befragten Menschen mit Beeinträchtigungen stimmten folgenden Anforderungen an KI klar zu: Barrierefreiheit bei der Nutzung, Nicht-Diskriminierung, Quellentransparenz, Partizipation bei der Gestaltung.

Im Fazit und den Handlungsempfehlungen haben die Forschenden die Potenziale von KI für den Abbau von Barrieren und die Förderung von Teilhabe analysiert. Darüber hinaus werden Erwartungen an eine inklusive, transparente und diskriminierungsfreie Gestaltung von KI herausgearbeitet. So sollten KI und Digitalisierung als sinnvolle Ergänzungen für die gesellschaftliche Teilhabe interpretiert werden, ohne das Recht auf ein analoges Leben in Frage zu stellen:

„Gerade in einer immer digitaler werdenden Welt ist die Erkenntnis wichtig, dass nicht alle Menschen an den neuen Technolo­gien gleichermaßen teilhaben können oder wollen. Somit ist Digitalisierung nur einer von vielen Bausteinen für eine Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird.“

Weitere Informationen zur Studie sind auf der Seite der Aktion Mensch abrufbar: Studienbericht

(Quelle: Aktion Mensch)


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