Bildung allein reicht nicht – Studie zur Beschäftigungslücke bei Menschen mit Behinderungen
Die Beschäftigungslücke zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen kann mit einem höheren Bildungsgrad verringert, aber nicht geschlossen werden. Die Ergebnisse einer Studie aus dem Vereinigten Königreich (UK) bestätigen die anhaltende Relevanz struktureller Barrieren, die die Beschäftigungsaussichten von Menschen mit Behinderungen unverhältnismäßig stark beeinträchtigen. Darauf weist der Verband Rehabilitation International (RI) in seinem Juni-Newsletter hin.
Im Jahr 2019 lag die Gesamtbeschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren im Vereinigten Königreich bei 53 Prozent, verglichen mit 86 Prozent bei Menschen ohne Behinderung, was zu einer Beschäftigungslücke bei Menschen mit Behinderungen (Disability Employment Gap, DEG) von 33 Prozentpunkten führte. Ähnliche Werte sind für Deutschland zu verzeichnen: So waren im Jahr 2019 rund 57 % der Menschen mit Behinderung (zwischen 15 und 64 Jahren) beschäftigt oder arbeitsuchend, während die Erwerbsquote nichtbehinderter Menschen in dieser Altersgruppe knapp 82 % betrug.
Studienergebnisse von Forschenden der Universität Sheffield deuten darauf hin, dass ein signifikanter Teil der DEG durch Unterschiede im Bildungsniveau zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen erklärt werden kann. Es gibt jedoch auch einen großen Anteil, der nicht eindeutig zu erklären ist und auf strukturelle Hindernisse auf dem Arbeitsmarkt deutet. In der Studie wurde anhand von drei Komponenten herausgearbeitet, wie hoch der Einfluss von bestimmten Faktoren auf die Beschäftigungslücke ist:
- Unterschiede in der Bildung – 4 Prozentpunkte (12 % der Lücke)
- Weitere Merkmale (Alter, Region, Familienstand usw.) – 11 Prozentpunkte (33 % der Lücke)
- Strukturelle Faktoren (Diskriminierung, Zugänglichkeit des Arbeitsplatzes, usw.) – 18 Prozentpunkte (55 % der Lücke)
Die Forscher konstatieren, dass der DEG um 4 Prozentpunkte gesenkt werden könnte, wenn das durchschnittliche Bildungsniveau von Menschen mit Behinderungen auf das Niveau von Menschen ohne Behinderungen angehoben würde. Der Vorteil davon wäre, dass mehr Menschen mit Behinderungen einen Abschluss erreichen und der Anteil von Personen ohne Qualifikation sinken würde. Trotzdem sei zu differenzieren, welche Personengruppe davon wirklich profitieren würde. Zudem bliebe mit 18 Prozentpunkten immer noch ein großes erklärungsbedürftiges Defizit. Die Forschenden verweisen hier auf strukturelle Barrieren im Arbeitsmarkt wie z. B. die Arbeitsplatzgestaltung, eine nicht vorhandene Möglichkeit zu Anpassungen bei den Arbeitsaufgaben und Regelungen am Arbeitsplatz sowie Diskriminierungen, wenn Arbeitgeber ihrer gesetzlichen Pflicht zu „angemessenen Vorkehrungen“ nicht nachkommen oder qualifizierte Menschen mit Behinderungen bei der Besetzung von Arbeitsplätzen übergehen.
Der wissenschaftliche Beitrag ist mit einer Reihe von Tabellen online abrufbar:
Mark Bryan, Andrew Bryce, Jennifer Roberts, Cristina Sechel, The role of education in the disability employment gap, Oxford Economic Papers, 2025; gpaf016, https://doi.org/10.1093/oep/gpaf016
(Quellen: Rehabilitation International, Oxford Economic Papers, Statistisches Bundesamt)
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