Die Stufenweise Wiedereingliederung aus der Perspektive der Beteiligten
Die Stufenweise Wiedereingliederung (StW) ist ein gesetzlich verankertes Instrument, das Beschäftigten nach längerer Erkrankung eine schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht. Das Projekt „Stufenweise Wiedereingliederung (STWE): Aktuelle Umsetzung und Weiterentwicklungspotenziale“ (F 2459) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) hat untersucht, wie die StW in der Praxis von den Beteiligten erlebt wird, welche Faktoren zu ihrem Gelingen beitragen und wo Verbesserungsbedarf besteht.
Grundlage der qualitativen Untersuchung waren sechs leitfadengestützte Gruppendiskussionen in drei Betrieben. Beteiligt waren sowohl zurückgekehrte Beschäftigte als auch betriebliche Akteurinnen und Akteure, darunter Beauftragte für das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), Führungskräfte und Personalverantwortliche.
Die baua schließt aus den Ergebnissen, dass eine erfolgreiche StW vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhängt – vor, während und nach der Maßnahme. Vertrauen und eine offene Kommunikation seien dabei durchgängig entscheidend. Viele Beschäftigte erlebten die Zeit vor der StW als besonders belastend: Unsicherheit, Ängste und ein hoher Leistungsdruck prägten diese Phase. Während der Wiedereingliederung seien vor allem flexible Arbeitsbedingungen, eine gute betriebliche Abstimmung und eine verlässliche Begleitung wichtig. Nach Abschluss der StW könnten ungünstige Arbeitsbedingungen eine nachhaltige Rückkehr gefährden.
Daraus leitet die baua konkrete Ansatzpunkte für die Praxis und Prävention im Rahmen des Arbeitsschutzes ab: Auf individueller Ebene gehe es darum, Beschäftigte darin zu unterstützen, auf ihre Gesundheit zu achten und eigene Grenzen wahrzunehmen. Auf sozialer Ebene spielten Vorgesetzte, Teams und begleitende Fachpersonen eine zentrale Rolle für einen gelungenen Verlauf. Auf betrieblich-organisationaler Ebene seien eine gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung, ein gut organisiertes BEM und eine unterstützende Unternehmenskultur entscheidend. „Es wäre falsch, die Rückkehr allein als individuelle Bewältigungsleistung der Beschäftigten zu verstehen und dabei die Arbeitsbedingungen und vor allem auch die Arbeitsbeziehungen sowie die organisationalen Rahmenbedingungen auszublenden. Eine StW, die auf gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen trifft, hat von vornherein eine bessere Ausgangslage für eine erfolgreiche und nachhaltige Rückkehr als eine, die in überlasteten Arbeitsbereichen stattfindet.“ Potenzial sieht die baua beispielsweise in der systematischen Qualifizierung von Führungskräften. Neben Wissen zu rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen seien insbesondere Kompetenzen im Umgang mit belasteten Beschäftigten sowie in der gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung relevant. Erforderlich sei u. a. auch eine anlassbezogene Arbeitsgestaltung während der StW, die sowohl die gezielte Anpassung von Arbeitszeit, Arbeitsmenge und Aufgaben als auch eine längerfristige präventive Perspektive umfasse. Insgesamt sollte die StW nicht als einzige Maßnahme verstanden werden, sondern als Teil einer gesundheitsorientierten Betriebskultur und, wo vorhanden, als integraler Bestandteil eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.
(Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
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