Inklusive Maßnahmen am Arbeitsplatz für Menschen mit Hörverlust
Die European Federation of Hard of Hearing People (EFHOH) hat ihren Leitfaden zur inklusiven Beschäftigung von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen auf Deutsch übersetzt. Ziel ist es, Arbeitgebenden praktische Hinweise zur Beseitigung von Barrieren am Arbeitsplatz zu geben.
Der Leitfaden, im Original als „Toolkit“ (deutsch: Werkzeugkasten) bezeichnet, wurde gemeinsam mit Menschen mit Hörverlust entwickelt. Die EFHOH ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Rechte und Interessen von schwerhörigen und ertaubten Menschen in Europa einsetzt. Das Toolkit will praktische Anleitungen für Arbeitgeber, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie politische Entscheidungsträger und Behörden bieten. Die Publikation stellt angemessene Vorkehrungen, barrierefreie Kommunikation und inklusive Praktiken am Arbeitsplatz vor – von einfachen und kostenlosen Anpassungen bis hin zu professioneller Unterstützung wie Untertitelung bzw. Schriftdolmetschung und Hörhilfesystemen.
Die benannten Strategien und Praktiken beziehen sich auch auf die Unternehmenskultur. So betont der Leitfaden, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nicht auf ärztliche Bescheinigungen warten sollten, um barrierefreie Kommunikationsmaßnahmen umzusetzen. Gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitenden könne geklärt werden, mit welchen Barrieren diese konfrontiert sind, und entsprechend gehandelt werden.
Die EFHOH unterstreicht, dass Hörverlust eine der häufigsten und zugleich am wenigsten sichtbaren Behinderungen in Europa ist.
„Am Arbeitsplatz, wo Kommunikation für die meisten beruflichen Tätigkeiten von zentraler Bedeutung ist, entstehen Barrieren, wenn die Arbeitsumgebung nicht hörverlustfreundlich gestaltet ist.“
Wenn angemessene Anpassungen bereitgestellt werden, dann waren diese wirksam, berichteten 82 Prozent der Teilnehmenden einer Studie der EFHOH und der Europäischen Vereinigung der Hörgeräteakustiker (AEA) zum Thema Hörverlust und Beschäftigung. Dagegen waren 53 Prozent der Befragten nicht über mögliche Anpassungen am Arbeitsplatz informiert und 31 Prozent der Befragten berichteten von Diskriminierungserfahrungen und Ausgrenzungen.
Die EFHOH hat ihren Leitfaden zunächst im April 2026 unter dem Titel „Hearing Loss Inclusive Employment Toolkit“ veröffentlicht. Die Publikation wurde anschließend von der EU-Kommission in eine Seite mit Maßnahmen und Leitlinien zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen aufgenommen. Übersetzungen in weitere europäische Sprachen sind geplant, es wird zur Beteiligung an dem Vorhaben aufgerufen.
Der Leitfaden sowie eine Checkliste zur Selbsteinschätzung sind unter folgendem Link abrufbar:
Toolkit inklusive Beschäftigung EFHOH
(Quelle: European Federation of Hard of Hearing People)
Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!